Die Männergruppen-Crasherin

Einen Tag später, am Samstag, verabredete ich mich mit einem Freund. Gemeinsam mit seinen Freunden wollten wir etwas unternehmen. Nach langem Hin und Her, kam ich zum Ort des Geschehens: Sieben Männer und ich. - Man nennt mich auch die Männergruppen-Crasherin. Ich fühlte mich leicht unwohl. Aufgrund der Temperaturen trug ich einen kurzen Jeansrock, aber hey. Hinterhof-Partys sind toll. Ich lauschte also den Männergesprächen. Es ging um Alkoholexzesse, Umzüge und ums Nageln. (Zum Verständnis: Man schlägt mit der flachen Hammerseite auf einen Nagel, der in einem Holzklotz steckt. Münzen haben auch noch eine Bedeutung. Aber ich erinnere mich nicht mehr.)

Dann hieß es: Wir trinken noch aus und gehen dann los. Da nach einer halben Stunde die Flaschen nicht einmal angerührt wurden, sagte ich: Hopp Hopp, Hunger. (Ich lauschte vorher, dass noch andere hungrig waren.) Hier kommt der positive Effekt einer Männergruppe plus Frau: Frau hat eine gesonderte Position und ihre Meinung zählt sozusagen doppelt. Die anderen sind dann in die Lokalität vom Freitag: Das Tanz-Bar-Kneipe Ding auf der Karli. Ich zog mit einem, mir unbekannten, Mann los. Ein Student. Er war sehr sympathisch. Der Weg war lang, so dass wir uns entschieden Döner zu essen. (Wir wussten beide, dass es zu viel wird.) Nicht der Typ, in den ich mich verlieben werde, aber freundschaftlich: Top. Voll gefressen liefen wir wieder zurück. 

Wir stellten uns vor dieses Tanz-Bar-Kneipe-Ding, weil es drinnen so heiß war. Dann doch ab an die Bar: Gisela. Mir wurde auch eine/ einer in die Hand gedrückt. Das erste Glas gab ich ab. Aber Mist, ich war mit eingeplant und das nächste Glas erreichte mich. … Es schmeckt wie Sprite. Derjenige, der zahlte, kam zu mir und fragte wie es schmeckte. Auf einmal blubberte einer von links. “Jetzt machst du dich wohl an sie ran.” Huchali. Der meckerte vorher auch schon mal. Ich weiß gar nicht warum. Also ich würde mir ganz schön bescheuert vorkommen, wenn sich keiner von sieben Kerlen mit mir unterhält. ?!?! 

Dann ging es wieder hoch. Schweineheiß. Und wer steht an der Bar??? Der Architekt. NEIN!!! Sieben Männer…(Schneewittchen. Um Gottes Willen. Schrieb ich nicht am Anfang, dass ich nicht Schneewittchen sein möchte, weil ich das Napoleon Ding schon durch habe??? )… Auf jeden Fall eignen sich sieben Männer zum Verstecken. Ich also - ja, das ist bescheuert - mich die ganze Zeit hinter den breiten Schultern versteckt. Da es so heiß war, sind wir aber wieder raus. Wohooo….

Fünf der sieben verabschiedeten sich in die Stadt um dort in eine, bei mir nicht beliebte, Lokalität zu gehen. Mein Döner-Partner schnatterte mit einer blonden Dame. Und da war noch mein Kumpel da. Er kam auf die glorreiche Idee zur Schladitzer Bucht zu fahren. Da war eine Party. - Wer fährt? - Ich! Aber ich habe kein Auto. - Kein Problem. Da mein Döner-Partner aber noch seine Bekanntschaft überreden wollte, dauerte das. In der Zeit kam der Architekt auch nach draußen. … Ich versteckte mich also wieder. So gut wie es möglich war. 

Dann saß ich mit meinem Kumpel, meinem Döner-Partner, seiner Bekanntschaft und ihrer Freundin im Auto. Mein Kumpel kennt den Weg. Sein Handy als Navi leitete mich. Bis zur gesperrten Straße. Oha…dreimal waren die Straßen zu Ende: Gesperrt durch Schranken. Hm…von der Rückbank kam immer: Wir sind falsch. Dann fragten wir einen jungen Mann, der sich mit seinen Kumpels an einem Strandparkplatz nachts traf. … Ich fuhr so, wie er es sagte. Was kam von hinten? Wir sind falsch. - Das sind die Momente, wo mein Ton dann kurzzeitig etwas schärfer wird.

Angekommen. Mit einem freundlichen Lächeln fragte ich, ob wir früh um vier Uhr noch Eintritt zahlen müssen: Nein. 

Was soll ich zu dieser Veranstaltung sagen? Es war zum Großteil nicht mein Bildungsniveau und den Rest konnte man auch vergessen. Oh man…habe ich gelacht. Innerlich. Ich, nüchtern, wurde gleich mehrmals angequatscht, angetanzt, was auch immer. … Das sind so die Kerle: “Ey, was guckstn so? Suchste Stress? Ich will mich prügeln.” Jeanshose, Turnschuhe und Poloshirt. Solariumbraun. Ein bisschen aufgepumpt. Ich hätte am liebsten ein Foto gemacht. Aber ich hoffe, dass ihr meiner Beschreibung folgen könnt. Das gute an diesen Personen ist, dass sie trinken, trinken und trinken. Sie ziehen ihre Portemonnaies so halbherzig aus der Tasche und huch da fällt das Geld runter. Am Getränkestand entdeckte ich einen zehn Euroschein auf dem Boden. Auf der Tanzfläche, wo ich meinen Kumpel holen musste um wieder zu fahren, lag ein 20 Euroschein. Nicht mehr der sauberste. Aber Geld ist Geld. 30 Euro plus. Warum nicht. 

Muss man gefundenes Geld abgeben? Ich meine, soll ich sagen: Hier lagen zehn Euro vorm Getränkestand. Bekomme ich einen Euro Finderlohn? Und wer bekommt das Geld? Habe ich mich unsachgemäß bereichert? Ich kann das Geld ja spenden. Zum Beispiel an: Okapi Conservation Project. Wo mehrere Okapis und Pfleger hingerichtet wurden, weil sich diese Organisation für Bildung und bessere Arbeitsbedingungen im Kongo einsetzt. Dafür kann man wirklich spenden.

Zurück zu meinem lustigen Abend: Ich fuhr also wieder nach Leipzig mit meinem Kumpel und den drei anderen Menschen, die ich erst seit wenigen Stunden kannte. Mir wurde dann wieder gesagt, dass ich falsch bin, aber ich habe mich nicht beirren lassen. Nachdem wir das Ziel erreichten, erhielt ich das zweit schönste Kompliment des Wochenendes: Sara, dir würde ich auch mein 250.000 Euro Auto anvertrauen. So schön fährst du. - Danke. ;) Und das von einem Mann. 

Gott sei Dank gibt es die LUKAS Bäckerei in Leipzig, wo man auch zum Sonntag sechs Uhr, zumindest am Hauptbahnhof, ein Frühstück bekommt. - Ich mag es übrigens, ab und zu im Hellen nach Hause zu gekommen. Die letzten Geister der Nacht beobachten und eine Großstadt im Morgengrauen fast für sich alleine zu haben. Schön. 

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